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 Gute Gedanken für Senioren, aber auch gut für junge Menschen |
Kritische Stimmen sind willkommen, denn es ist sicher nicht so einfach immer gute poetische Texte zu finden, mit denen jeder Leser einverstanden ist.
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Weg mit dem ollen Plunder Tante Emma entrümpelt ihren Kleiderschrank und nimmt Abschied vom Strandgut der Zeit.
Tante Emma zieht um in ein Altenheim. Mit wehmütigem "Was brauch ich überhaupt noch"-Blick inspiziert sie ihre gehorteten Schätze: zierliche Meissner Porzellanfiguren, ein noch komplettes Tee-Service aus DDR-Zeiten, der ausladende Eichensekretär, an dem schon ihr Großvater geschrieben hatte. Darauf die erkleckliche Anzahl verblichener Familienporträts in Jugendstilrahmen, wuchtige Ölgemälde.
Ein Haus auf ein oder zwei Zimmer reduzieren heißt, sich trennen müssen, sich damit abfinden, nie mehr durch Berühren oder Betrachten in vergangene Zeiten eintauchen zu können. Umzüge ersparen uns das jährliche Aussortieren.
Auch ich löse mich nicht ohne Druck von unnötigem Ballast, vom Zuviel. Es hilft nichts - einmal im Jahr muss ich der familiären Eichhörnchen- Mentalität Einhalt gebieten, mir Überblick verschaffen, vom Keller bis zum Dachboden, über all den mit Staub und Sentimentalitäten bedeckten Krempel. Dinge, von denen wir oft nicht wissen, dass wir sie besitzen. Da ist die klotzige Kristallvase, die ihr Schattendasein in einer unzugänglichen Ecke fristet. Das noch jungfräuliche, veraltete Küchenmaschinenzubehör, verstaubte Kartons, gefüllt mit alten Schulbüchern und Spielsachen. Abgewetzte Teppiche, über die wir nie wieder laufen werden. Vergilbte Zeitschriften. Der rostige Weihnachtsbaumständer.
Hängen wir an all dem Zeug?
Beim Ausmisten des Kleiderschranks scheiden sich schon die Geister. Hier die Zögerlichen: die weiße Spitzenbluse. Echte Brüsseler, dazu noch ein Geschenk - die kann man doch nicht einfach so weg geben! Das teure Kostümchen in Pepita, wo doch Pepita nächstes Jahr wieder modern werden soll. Der enge Flanellrock. Wenn ich den Bauch einziehe oder gar abnehme?
Und da die Beherzten: Die "Weg mit dem ollen Plunder"-Typen, die ohne mit der Wimper zu zucken ihre Bestände dezimieren
(um Raum zu schaffen für neuen Plunder). Ich jedenfalls gehe mit leuchtendem Beispiel meinem Mann voran, der meist an seinen beuligen, mittlerweile zu kurzen, aber ungemein bequemen ockerfarbenen Cordhosen hängt.
"Nicht einmal die Schlange kriecht in ihre alte Haut zurück, aus ökonomischen Rücksichten. Die Natur trägt keine alten Kleider." Es sind Worte des englischen Philosophen Prentice Mulford, die mir durch den Kopf gehen. "Jeder Gedanke ist ein Teil unseres Selbst. Wer alte Kleider trägt, sich nur mit alten Dingen umgibt, nimmt in das frische Ich die Gedanken, die er längst als überlebt von sich abgetan hat" - weise Gedanken, die auch heute noch, nach 150 Jahren, aktuell sind.
Tante Edda, die gute preußische Seele, gönnt sich jedenfalls kein Selbstmitleid. Sie freut sich schon auf ihre neue Wohnung, auf helle sonnendurchflutete, aber eben kleine Zimmer, in welche
die Dinge aus ihrem alten Leben nicht mehr hineinpassen.
Während Krokusse sprießen und der Frühling naht, sortiert sie aus.
Tapfer nimmt sie Abschied von allem Unwichtigen, verschenkt, verkauft, entrümpelt und befreit sich in ihrem sechsundsiebzigsten Lebensjahr
vom Strandgut ihrer Zeit.
Quellenangabe dieses Berichtes

© 2001 Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG
Alle "Gute Gedanken" Texte, die sich zwischenzeitlich bei mir so angesammelt haben, finden Sie im oder im "Archiv.2003"
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