Für alle trauernden Menschen
Teil 2

Der Tod eines geliebten Menschen und die Zeit der Trauer ist häufig eine Zeit innerer Unsicherheit und Angst.
Aber sie birgt auch ein großes Wachstums- und Lernpotential für uns.
In solchen Zeiten kann ein Ritual Kräfte mobilisieren, die wir alle in uns tragen, die aber oft verschüttet sind.
Es kann zu mehr Eigenmacht und Vertrauen in uns selbst und ins Leben führen.

Sie können im Ritual Ihre Trauer fließen lassen, Ihre Wut und Ihren Schmerz ausdrücken, daß der geliebte Mensch Sie verlassen hat, Sie können Ihre Schuldgefühle noch einmal benennen und um Verzeihung bitten.
Sie können den Toten Ihren Dank und Ihre Liebe sagen.

Was sind Rituale?

Rituale sind symbolische, szenisch/gestische Handlungen, die Kontakt schaffen und halten zu kosmisch-natürlichen und gesellschaftlichen Grundkräften, diese sichtbar und damit bewußtseinsfähig machen und darin auch Krisen bearbeitbar werden lassen.
Im Ritual schaffen wir einen geschützten Raum und rufen die Kräfte und Energien, die uns unterstützen sollen.
Dann vollziehen wir eine symbolische Handlung – das kann vielerlei sein - vom Verbrennen eines Zettels bis zum Pflanzen eines Baums.

Dies setzt in der sichtbaren Welt ein Zeichen, das in der unsichtbaren Welt, der Welt des Gefühls und des Geistes wirksam ist.
Wir können unsere Rituale selbst gestalten und ihnen Tiefe und Sinn geben.
Diese Seite beschäftigt sich nur mit Abschiedsritualen.
Wenn Sie sich für Rituale zum Thema Geburt, Menarche etc. interessieren, schauen Sie doch mal auf der Seite
www.ritual-beratung.de vorbei.

Der Ethnologe Arnold van Gennep hat in seinem Buch “Rites de Passage” (also Übergangsriten) die Rituale vieler Völker untersucht und in allen eine dreiteilige Grundstruktur gefunden:
Trennung, Verabschiedung des Alten
Übergang
Wiederangliederung
Schwellen- und Übergangszeiten sind häufig Zeiten innerer Unsicherheit und Angst vor dem Fremden, dem Neuen.
Dies trifft für schöne Übergänge, wie etwa dem zu heiraten, Eltern zu werden genauso zu wie für schmerzhafte Übergänge, wie der Witwe zu werden, geschieden zu werden etc. Übergänge von einer Lebensphase in die andere sind eine anthropologische Konstante, alle Menschen und Gesellschaften kennen sie und in vielen Kulturen haben sich Übergangsrituale entwickelt.

Übergangsriten geben dem Raum zwischen der einen Lebensphase und der anderen eine symbolische Form, trennen vom Alten und machen bereit für das Neue.
Dadurch werden Kräfte mobilisiert, die wir alle in uns tragen, die aber oft verschüttet sind.
Früher lebten die Menschen in Glaubensgemeinschaften mit gemeinsamen Ritualen und Symbolen - nun fühlen sich mehr und mehr Menschen spirituell heimatlos, die alten Rituale empfinden sie als sinnentleert.

Dies ist traurig, aber es ist auch die Chance einer Erneuerung.

Die hier vorgestellten Rituale sind nur Vorschläge - lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und wandeln Sie sie nach Ihren Bedürfnissen um.
Das ist eben das Neue, daß Sie die Rituale so gestalten können, wie es Ihrer aktuellen Situation entspricht und daß Sie nicht mehr abhängig sind von einem Priester, der das Ritual für Sie abhält.
Ich lebe seit vielen Jahren mit Ritualen und sie haben mir geholfen, mir klarer zu werden, wer ich bin, was ich erreichen will und was ich nicht mehr will in meinem Leben.
Dadurch daß ich so oft rituell danke sage für all das Gute, das ich in meinem Leben habe, werde ich mir des Guten immer mehr bewußt, Dankbarkeit und Freude sind meine ständigen Begleiter und Kraftquellen geworden.

Eine empfehlenswerte Grundstruktur eines Rituals würde so aussehen:
einen Raum so herrichten, daß er sauber, von klarer Energie und schön geschmückt ist (d.h. im Klartext, daß ich vor einem Ritual meine gesamte Wohnung putze, sie mit Salbei ausräuchere, Kerzen anzünde und Blumen aufstelle).
Dies hilft, die Gedanken und Gefühle klar zu erleben.
Sich gegen Ablenkung und Störung von außen schützen.
(Telefon und Klingel ausstellen, einen Schutzkreis ziehen)

Die Kräfte des Lebens und der Liebe rufen (mit welchen Namen auch immer Sie sie rufen wollen).
Nun folgt das eigentliche Anliegen, das Sie haben.
Es ist gut, wenn es die Elemente Kontemplation, Reinigung, Loslassen und Würdigung enthält.
Das Neue durch einen Wunsch bekräftigen und sich in dem Vertrauen üben, daß alles richtig ist, wie es geschieht.
In Liebe und zum Wohle aller.
Alle Kräfte, die Sie gerufen haben, wieder verabschieden und den Kreis öffnen.
Das war der 2. Teil meiner neuen Serie, die ich allen Menschen widme, die schmerzlich einen lieben Menschen verloren haben.

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