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 Für alle trauernden Menschen Teil 3
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Trauer
Loslassen und Einlassen
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Abschied-Nehmen ist etwas, das wir unser Leben lang in immer neuen Situationen durchleben. Abschied-Nehmen heißt, etwas Gewohntes und oft Lieb-Gewonnenes loszulassen und sich dem Neuen, oft Unbekannten zu öffnen. Manche Abschiede fallen leicht, andere tun sehr weh. Wir trauern um das, was unser Leben verlässt oder bereits verlassen hat.
Wenn ein Mensch stirbt, ist es für ihn ein Abschied von allen und allem, was ihm physisch, emotional, mental und sozial ein Zuhause gewesen ist. Doch auch für die ihm nahestehenden Menschen, ist es ein Abschied von so vielem. Von seiner Stimme, seinen Augen, seinen Händen, seinen Gedanken, seinen Gefühlen, seinen Gewohnheiten, den gemeinsamen Plänen und und und.
War sein Tod ein plötzlicher, ist es oft das Schmerzlichste, das viele "Nicht" loszulassen: sich nicht verabschiedet zu haben, vieles nicht gesagt, nicht gezeigt, nicht geteilt, nicht gefragt zu haben und nicht mehr beantwortet zu bekommen. Aber auch Angehörige und Freunde, die Zeit hatten, sich auf den Abschied vorzubereiten, leiden häufig unter vielen "Nicht". Vielleicht konnten sie noch vieles klären, haben aber dafür das Nicht-Helfen-Können sehr deutlich erleben müssen. Und ob es ein "plötzlicher" oder "vorhersehbarer" Tod war - das "Nicht-Mehr" und das Nicht-Verstehen-Können begleitet die meisten Hinterbliebenen oft noch lange Zeit.
Die Trauer über den Verlust ist mit vielen schmerzenden Gefühlen und oft auch körperlichen Problemen verbunden: Enttäuschung, Wut, Schuldgefühle, Leere, Sinnverlust, Angst, Verzweiflung, Desinteresse, Erschöpfung, Schlafstörungen, Herzrasen, Appetitlosigkeit... Und obwohl jeder das viele "Nicht" und "Nicht-Mehr" auf seinem eigenen Weg und in seiner eigenen Zeit überwindet, gibt es bei allem Anderssein gemeinsame Trauer-"Aufgaben":
Hingucken, was verloren ist
Annehmen, dass es verloren ist
Loslassen, was verloren ist
Hingucken, was geblieben ist
Annehmen, was geblieben ist
Einlassen auf das, was geblieben ist
Einlassen auf das, was das Leben noch bereit hält.
(Wobei die einzelnen "Aufgaben" nicht nacheinander, sondern während des Trauerns oft parallel und wiederholt auftauchen.)
Die meisten Menschen können ihre Trauer besser bewältigen, wenn sie über das, was sie so sehr bewegt, reden können. Mit Freunden, mit Angehörigen, mit professionellen Begleitern, Telefonseelsorgern und auch in Gedanken mit dem Verstorbenen. Und es hilft sehr, die Erinnerungen an den Verstorbenen im Freundes- und Familienkreis lebendig zu halten, ihn nicht "totzuschweigen". So kann mit der Zeit der Schmerz des Nicht-Mehr-Erleben-Könnens weniger werden und die Freude und Dankbarkeit des Erlebt-Habens wachsen.
Rilke, RainerMaria (1875-1926)
Abschied
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Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.
Wie weiß ich's noch: ein dunkles unverwundnes
Grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
Noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
Das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
Zurückblieb, so als wären's alle Frauen
Und dennoch klein und weiß und nichts als dies:
Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
Ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum
Erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
Von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.
Schon kehrt der Saft aus jener Allgemeinheit,
Die dunkel in den Wurzeln sich erneut,
Zurück ans Licht und speist die grüne Reinheit,
Die unter Rinden noch die Winde scheut.
Die Innenseite der Natur belebt sich,
Verheimlichend ein neues Freuet euch;
Und eines ganzen Jahres Jugend hebt sich,
Unkenntlich noch, ins starrende Gesträuch.
Des alten Nussbaums rühmliche Gestaltung
Füllt sich mit Zukunft, außen grau und kühl;
Doch junges Buschwerk zittert vor Verhaltung
Unter der kleinen Vögel Vorgefühl.
Das war der 2. Teil meiner neuen Serie, die ich allen Menschen widme, die schmerzlich einen lieben Menschen verloren haben.
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