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"Späte Erkenntnis einer Taube"
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Eine ganz normale Taube, wie wir sie am Bahnhof, auf dem Marktplatz oder auf der Straße jeden Tag beobachten können, getraute sich an einem Sommertag in einen Biergarten. Die Menschen speisten und tranken und erfreuten sich am schönen Wetter. Die Taube jedoch dachte: "Schade, dass ich mich nicht auf einen der schönen Tische setzen kann, die Menschen werden mich schnell wieder verjagen. Überall werden wir Tauben fortgejagt, viele Menschen mögen uns wohl nicht !"
Die Kellnerinnen servierten köstlich duftendes und sehr verlockendes Essen und die Taube wurde überwältigt von ihrem Hunger. Als ein Tisch in der Mitte des Gartens frei wurde, fasste sie Mut, flog auf den Tisch und wartete gespannt darauf, dass man auch ihr einen duftenden Teller Köstlichkeit servieren wird, schließlich beobachtete die Taube schon seit geraumer Zeit, wie alle Gäste im Biergarten, die sich an einen Tisch setzten, nur wenige Worte sagen mussten, damit ihnen reichlich von Herzen aufgetischt wurde. "Mal abwarten", dachte die Taube, "vielleicht funktioniert das ja bei mir auch und ich kann mein Verlangen nach einer dieser Mahlzeiten stillen!"
Eine Kellnerin erblickte die Taube und man scherzte: "Seht alle her, ein neuer Gast für Sie ist eingetroffen!" "Oh nein," antwortete die Kellnerin, "dieser Gast kann nicht hier bleiben, er hat zwar auf alles Appetit, aber kein Geld!" und sie klatschte in die Hände, um die Taube vom Tisch zu verscheuchen.
Die Taube flog schwerfällig davon, doch sie hatte verstanden, dass sie in dem Biergarten nur nichts zu essen vorgesetzt bekam, weil sie - im Gegensatz zu den dort anwesenden Menschen - kein Geld zum Bezahlen der Speisen hatte. Sie war sehr glücklich darüber, denn bis zu diesem Ereignis hatte sie die Menschen und ihr Umfeld stets falsch eingeschätzt und litt unter den falschen Rückschlüssen, die sie aus dem Verhalten ihr gegenüber nach jeder Zurückweisung gezogen hatte.
Die Last - verjagt zu werden, weil sie in der Nähe dieser Menschen nicht erwünscht zu sein schien - wurde ihr von der Seele genommen. Es war also von den Menschen nicht böse gemeint, wenn man sie verscheuchte und sie erkannte, dass sie immer ein Lebenskünstler der Straße war und auch bleiben wird.
Mit ihrem fortan Leben zufrieden betrachtete die Taube die Welt von diesem Tag an mit einer anderen Einstellung und war glücklich über die späte Erkenntnis in ihrem Leben.
Text und Idee: Ingrid Heinrich
Die Autorin, Frau Ingrid Heinrich,
 stellt mir Ihre Werke kostenfrei zur Verfügung und so ist es Ehrensache, dass ich hier auf ihre Homepages:
www.kreativausflug.de
www.kreativausflug.de/pageID_940320.html
www.vitasoma.com/200532
www.outsourcing-heinrich.de
hinweise.


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"Archiv.2004"
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