Teil 5

Mitwirkende ( Personen und Haustiere )
- Rahmenhandlung -

Jamas: Enkel von Karik
Karik: Großvater von Jamas
Hella: Lieblingskatze von Jamas
Raya: alte Hündin vom Großvater Karik


Mitwirkende:
(im vom Großvater Karik erzählten Katzenmärchen)

Katzanien: Ort der Handlung / das "Katzenparadies"
Rashan: dorfältester Kater
Tarik: ältester Kater im Nachbardorf
Sura: Kater / Arzt
Rayad: Kater / Lehrer
Lilian: Frau von Kater Pompo
Pompo: Kater / Sohn von Katze Isa und Kater Jasper
Ivo: Bruder von Pompo
Ria: Frau von Kater Ivo
Roman: Sohn von Ivo und Ria
Isa: Mutter von Pompo
Jasper: Vater von Pompo
Karija: alte, weise Katze

Zitat:
Lied / Musik Ximeroni
(altes, griechisches Volkslied, übersetzt aus dem Griechischen ins Deutsche: "Tagesanbruch"


Die Autorin, Frau Ingrid Heinrich,

stellt mir Ihre Werke kostenfrei zur Verfügung und so ist es Ehrensache, dass ich hier auf ihre Homepages:
www.kreativausflug.de
www.kreativausflug.de/pageID_940320.html
www.vitasoma.com/200532
www.outsourcing-heinrich.de
hinweise.


Einst gab es nicht nur ein Paradies für Menschen !
Es gab auch einmal ein Katzenparadies.

Dieses lag im Lande
K A T Z A N I E N,

. . . Hinter den Hügeln des Waldes lagen einige Dörfer.
Er wählte das, welches am nächsten war.
Schließlich wollte er möglichst viel mit einem Minimum an Aufwand und Mühe erreichen.
Er war doch nicht so dumm, wie all die anderen Kater, die sich für eine Braut tagelang die Pfoten wund liefen.....

Siegessicher stolzierte er durch das ihm noch unbekannte Dorf. Vor einer Baumwurzelhöhle blieb er stehen und lauschte dem Stimmengewirr und dem lauten Geraunze.
Nicht nur er spitzte seine Ohren !
Ein betagtes Katzenpaar schaute aus der benachbarten Höhle heraus.
Schnurrend ging Pompo auf die alten Herrschaften zu, die ihn so freundlich einluden, über Nacht zu bleiben.
Pompo nahm die gastfreundschaftliche Geste dankend an.
Das alte Katzenpaar drückte ihm gegenüber ihre Betroffenheit darüber aus, wie streng ihre Nachbarn ihre Lilian bewachten.
Sie durfte die Höhle ihrer Eltern nicht alleine verlassen oder an einem Dorffest teilnehmen, wie die anderen Katzen ihres Alters.

Viele Kater schon um sie geworben, doch ihre Eltern wehrten alle mit Fauchen und Pfotenhieben ab.
Keiner war gut genug für ihre Lilian.
"Wir alle im Dorf befürchten, dass Lilian sich nicht frei in ihrer Persönlichkeit entwickeln kann und so ein Fall ist noch nirgendwo vorgekommen!", sagte die alte Katze zu Pompo.
Das laute Stimmengewirr aus der Nachbarhöhle verstummte.
Man legte sich zur Ruhe.
Pompo konnte nicht gleich einschlafen, er dachte lange nach.
Diese Lilian wollte er unbedingt haben.
Eine Katze, so dachte er schlau nach, die zu Hause durch übertriebene Autorität bereits zur Demut erzogen wurde, und Abhängigkeit somit gewöhnt war, brauchte er nicht mehr dazu erziehen.
Sie wird sich schnell unterordnen und froh sein, aus ihrem bewachten Gefängnis von einem stattlichen Kater, wie er es ja war, befreit zu werden.
Aus dieser Not müsse man nur eine Tugend machen.

Am nächsten Morgen verwirklichte er seinen Plan und ließ sich von seinen freundlichen Gastgebern den Weg zum Dorfoberhaupt beschreiben.
Er wußte, dass dessen Machtwort ware Wunder bewirken konnten.
Sein braunes Fell glänzte im Sonnenschein und seine Brust mit dem weißen Fleck hatte er stolz nach vorne gestreckt.
Seine Beinchen schmiß er beim Marschieren galant in die Luft.
Den Schwanz hielt er hochgereckt und gerade, doch die Schwanzspitze zuckte nervös hin und her.
Er befand sich wieder auf Freiersfüßen.

Tarik, der Dorfälteste, war ein sehr betagter, gänzlich ergrauter Kater.
Er war natürlich sofort bereit, sich für Pompo einzusetzen.
Tarik ging mit ihm zu Lilians Eltern und es dauerte nicht lange, da hatte er sich mit seinen Argumenten durchgesetzt.
Pompo schnurrte während der Verhandlungen und Lilian stimmte erleichtert zu, diesen Kater zu heiraten.
Ihr weißes Fell schimmerte in der Sonne, wie die gesponnenen und mit Morgentau benetzten Seidenfäden der Spinnen.
Ihre türkisfarbenen Augen himmelten Pompo an.
Sie sehnte sich nach einem eigenen Heim, nach Unabhängigkeit vom Elternhaus und Selbstverwirklichung.

Zufrieden stellte Pompo fest, dass seine Braut in der Tat weitaus schöner war als die Frau seines Bruders.
"Neidisch soll er werden" - dachte Pompo.
Tarik legte den Hochzeitstag fest und Pompo flitzte wie der Blitz nach Hause, um seine Mutter Isa, seinen Bruder und seine Frau abzuholen.
Isa freute sich über das verspätete Glück ihres Nesthäkchens und Nachzüglers.
Ivo und Ria lästerten auf dem Weg zu Lilians Dorf, sie waren gespannt, was Pompo sich da geangelt hatte.

So machten sich alle guter Dinge auf den Weg.
Am Abend vor der Hochzeit kamen sie im Dorf an und konnten bei Tarik übernachten.
Lilians Eltern waren fürchterlich verstimmt, denn sie waren mit diesem Kater in keinster Weise einverstanden.
Die anderen Kater, die sie abgewiesen hatten, waren zehnmal besser gewesen und auch alle nicht gut genug für ihre Lilian.
Tarik nahm die Trauung vor und Ivo machte in der Tat runde Augen.
Pompo's Frau war schöner als seine Ria und er beneidete seinen Bruder.
"So eine Unverschämtheit", dachte Ivo - "der dümmste Kater hat die schönste Braut bekommen !"

In Ria pulsierte während der Zeremonie das Blut.
Sie beobachtete Lilian ganz genau, wie sie ihren Pompo anhimmelte.
Sie verstand nicht, wie man sich freiwillig einem solchen Kater unterordnen und ausliefern konnte.
Dieses brachte Ria innerlich immer mehr in Wut, welche sich aufstaute.
So dauerte es auch nach der Hochzeitszeremonie nicht lange, da lagen sich Ria und Lilian katzengerecht in den Haaren.
Sie stritten sich, fauchten sich an und die beiden Brüder erkannten die Ursache des Streites nicht.
Die beiden Zankenden wußten es scheinbar auch nicht.
Zuletzt schmollte Lilian über Rias kratzborstiges Verhalten und Ria zeigte sich von ihrer selbstbewußtesten Seite !

Ihr Unmut verwandelte sich in brodelnde, schäumende Eifersucht, als sich Ivo mit Lilian unterhielt.
Rias Rücken wurde krumm, das Rückenfell sträubte sich und der aufgeplusterte Schwanz war dreimal so dick geworden.
Die Ohren hatte sie flach an den Kopf gepreßt und ihre Augen zu einem schmalen Schlitz geformt.
Auf ihrer Nase bildeten sich beim Fauchen tiefe Falten.
Ivo brach die Unterhaltung mit Lilian sofort ab und beschloß sicherheitshalber mit Ria nach Hause zu gehen.
Pompo triumphierte erneut, er hatte richtig Eindruck gemacht.

Man begab sich auf den Heimweg.
Rashan, der Dorfälteste, wartete bereits.
Er ahnte gar Fürchterliches.
Er beschloß, mit Pompo mal ein ernstes Gespräch unter vier Augen zu führen, was würde passieren, wenn Lilian plötzlich selbstbewußter wird und entdeckt, dass sie mehr Wert ist, als man ihr zu Hause eingeredet hat.
"Pompo, Pompo - hoffentlich hast du dich da nicht übernommen", dachte Rashan.
Bei der Begrüßung ließ er sich jedoch nichts anmerken.
Pompo schmetterte lautstark heraus: "Na, was sagt Ihr jetzt alle?"
Er war stolz und erwartete Beifall, doch Rashan wiegte nachdenklich schnurrend seinen alten Kopf hin und her und wünschte den beiden alles Gute.
Er nutzte eine Gelegenheit, um Pompo leise zuzuraunzen, er möge ihn doch in nächster Zeit einmal alleine besuchen.
Stolz zeigte Pompo Lilian ihr zukünftiges Zuhause.
Sie atmete tief durch, sie hatte endlich ihre erträumte, lang ersehnte Freiheit.
Endlich konnte auch sie abends nach draußen und den Sonnenuntergang genießen, ohne dass sie ermahnt wurde, sich wieder auf ihr Lager zu legen.
Keiner wird sie mehr maßregeln, sie kritisieren oder an ihr herumnörgeln, dachte sie.

Die erste Zeit ging Pompo mit ihr durchs Dorf.
Alle Kater beneideten ihn, doch sobald Lilian einmal alleine gehen wollte, raunzten ihr diese Kater skeptisch zu:
"Na, hast du dir das denn auch gut überlegt?
Pompo ist ein Kater, der nie ganz erwachsen werden wird!"
Doch für Lilian war er der Beste, weit und breit.

Sie wurde selbstbewußter.
Ivo lud beide zu sich ein und hoffte, dass Ria ihre Feindschaft zu Lilian einstellen werde.
Kaum war das junge Katzenpaar eingetroffen, spannte Ria jedoch wieder ihre Pfoten an und ihre weißen, langen Krallen wurden sichtbar.
Dennoch gab sie sich mit bestmöglicher Selbstbeherrschung alle Mühe, Lilian nicht in den Nacken zu springen.
Roman, ihr Sohn, flegelte sich zwischen Pompo und Lilian.
In einer unaufmerksamen Sekunde zwickte Roman Lilian herzhaft in die Schwanzspitze.
Sie fauchte, denn der Schmerz war sehr groß. Murrend machte sie Ria Vorwürfe, Roman nicht genug erzogen zu haben.
Dieser Vorwurf war nun der Auslöser, auf Lilian loszustürzen, denn Ria war wütend über die ihrer Meinung nach unberechtigte Kritik.

Fauchend warf sie Lilian vor, sie könne nicht richtig mit Katzenkindern umgehen.
Ein Wort gab das andere und Ivo und Pompo trennten die Rivalinnen und gaben sich alle Mühe, den Streit zu schlichten.
Man beschloß, sich eine Zeit lang nicht zu sehen.
Ivo hatte Hoffnung, dass Ria ihre Einstellung ändern werde, sobald sich bei seinem Bruder selbst Nachwuchs einstellt, denn sie war sehr kinderlieb.
Lilian tat alles für Pompo, der sich gerne verwöhnen ließ.
So hatte er sich das Leben auch vorgestellt.

Sie machte die Baumwurzelhöhle alleine sauber, sammelte Nüsse und Beeren im Wald, schleppte für Pompo unermüdlich und fleißig Pilze im Mäulchen nach Hause.
Die ersten drei Tage half er ihr, aber nur um ihr alles zu zeigen. Dann war sie eingewiesen, wo sie für ihn die besten Beeren und Pilze fand und wo die dicksten Nüsse zu bekommen waren.
Er schlummerte lieber in der Sonne, als ihr zu helfen.
So nahm er im Dorf bei den Katern eine Außenseiterstellung ein, denn es war üblich, dass man alles gemeinsam verrichtete.
Pompo wurde immer bequemer, schläfriger und unaktiver, dabei langweilte er sich schrecklich.
Bald ermüdete es ihn zu sehr, Lilian bei der Arbeit zuzusehen.

Eines abends erinnerte er sich daran, dass Rashan, der Dorfälteste, ihn noch einmal sprechen wollte.
Sicherlich wollte er ihn zu seiner Wahl beglückwünschen.
Für Lob und Anerkennung war Pompo immer zu haben.
Seine Neugier, was Rashan ihm wohl zu sagen hatte, besiegte seine Bequemlichkeit und so schlurfte er mit schleppenden Pfoten lässig und etwas gelangweilt zu Rashans Unterkunft.
Dieser freute sich, als er den Kater auf seine Behausung zukommen sah.
Insgeheim hatte er nämlich befürchtet, Pompo habe seine gutgemeinte Einladung inzwischen vergessen.

..und besinnliches Fest
Am kommenden Freitag
wird Ihnen Teil 6
dieser wundervollen "Katzengeschichte" zur Verfügung stehen.

Die Katzen und ich freuen
uns über Ihren Besuch.
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