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 Loslassen & leben gewidmet den Kranken, Senioren, aber auch jungen Menschen |
Ein Besucher meiner Homepage hatte mir die Texte zu "Loslassen & leben" gemailt. Obwohl er den Autor nicht benannt hat, habe ich mich entschlossen, die sehr tiefsinnige Geschichte an Sie doch weiter zu geben.
Eigentlich passt es zwar besser in die Osterzeit, aber ich denke dass man sich auch danach viel Gedanken darum machen sollte.
Loslassen & leben
"Wir sind mitten im Leben zum Sterben bestimmt; was da steht, das wird fallen..." Ein Lied zur Totenmesse; ein "Memento mori - Denke daran, dass du sterben wirst", gerade auch den Lebenden gesagt. Weil es wichtig ist, sich damit vertraut zu machen: Ich werde sterben. Meine Existenz ist endlich. Weil, so sagen es die Psychologie und die Erfahrung erfahrener Menschen: Dann
lebt es sich glücklicher, bewusster, erfüllter.
Deswegen war ich auch erst einmal froh, als der ältere Herr, ein sehr guter Bekannter, mich um ein Gespräch bat: Er ist jetzt fast achtzig, manchmal hat er nachts Probleme mit dem Atmen, seine Herzkrankheit ist bekannt. Und jetzt will er sich auf seinen Tod und alles darum herum bewusst vorbereiten. Es wurde ein Gespräch voller Neugier auf das Leben und sein Ende, mit Einsicht in so etwas wie eigene Schuld, mit liebevollen Blicken auf die Vergangenheit. Und dann zog er einen Zettel hervor, mit der Bemerkung: Du kannst doch gut schreiben, schau dir doch bitte diesen Text an. Ich hab' den mal so entworfen.
Es verschlug mir den Atem, für ein paar Augenblicke. Ich hatte seine Todesanzeige in der Hand, fertig formuliert, eigentlich fehlten nur das Todes- und das Begräbnisdatum. Dass er Gott dankt und seiner Familie und vor allem seiner Frau; stand da. Und wer um ihn trauert.
Ich brauchte ein bisschen. Dann habe ich ihm gesagt: Du kannst noch gar nicht sterben. So lange du immer noch meinst, du könntest alles selbst regeln und sogar deine eigene Todesanzeige schreiben, dich sozusagen aus dem Sarg heraus noch mal ausdrücklich selbst bedanken, so lange du noch nicht loslassen kannst: Was sollte der liebe Gott da mit dir anfangen!? Natürlich war das auch wieder übertrieben - aber er brauchte einen solchen Anstoß.
Es ist, glaube ich, dann noch ein ganz gutes Gespräch geworden. Obwohl ich sehr deutlich geworden bin: "Ich werde sicher verhindern, dass diese Anzeige je gedruckt wird. Wenn du stirbst, bist du tot - und deine Leute werden dann schon in der Lage sein, die richtigen Worte zu finden." Trotzdem ein gutes Gespräch, denn natürlich ist es wichtig, dass er sich mit seinem Tod und mit seinem bisherigen Leben auseinander setzt: Aber um Leben zu gewinnen, nicht, um sein Nachleben zu sichern. Und so kam es mir vor: Er versucht mit dieser Anzeige gerade, sich ein Stück Weiterleben zu sichern, indem er seinen eigenen Nachruf formuliert.
Christinnen und Christen glauben an ein neues, an ein ganz anderes Leben jenseits des Todes. Als Perspektive für jede und jeden. Sie feiern also heute Ostern als Erinnerung an das Todes- und Auferstehungsschicksal des Jesus aus Nazaret und als Hoffnungszeichen für die eigene Zukunft. Wer das feiert, kann das Leben auch loslassen. Kann darauf verzichten lernen, alles selber zu regeln oder das eigene Weiterleben sichern zu wollen. Kann sogar auf den eigenen Tod zugehen, ihm auf Augenhöhe begegnen und daraus Leben gewinnen - schon hier und jetzt, mitten im Leben, nicht erst danach.
Wer nämlich immerzu alles im Griff haben muss in seinem Leben, dem geht's ja nicht wirklich gut. Selbst wenn diese totale Kontrolle gelingt, macht sie doch sehr viel Stress. Und irgendwann kommt doch für jedes Leben der "Point of no Return", der Weg ohne Wiederkehr - und das wird ein Weg in den totalen Kontrollverlust hinein. Ich hoffe, dass ich diesen Weg einmal bewusst gehen kann, wenn es so weit ist für mich. Im Augenblick spüre ich, dass Ostern mir dabei helfen könnte. Weil es mir Mut und Hoffnung macht - bei aller Angst und allem Zweifel.
Jesus könnte da einfach ein Vorbild sein. An irgend einem Punkt seines Lebens hat er offensicht1ich losgelassen. Im Evangelium sagt er: "Nicht mein Wille soll geschehen, sondern dein (Gottes) Wille." Dann geht er fast zielstrebig auf den Tod zu. Lässt mit
sich geschehen, was die Menschen ihm antun. Mel Gibsons Film schildert es ja mit allen Mitteln des Horrors. Lässt sich schließlich fallen in die Hand eines Gottes, den er Vater nennt, Papa sogar. Lässt sich fallen, obwohl er gerade verzweifelt geschrien hat: "Warum hast du mich verlassen!?"
Mit dem Tod fängt für Jesus das neue Leben an. Für das, was da passiert ist, gibt es zwei Begriffe: "Auferstehung" und "Auferweckung". Ich benutze den zweiten lieber: Gott hat Jesus auferweckt, aufgeweckt aus dem Tod. Das ist Gottes Tat - Auferstehung
klingt immer auch so, als hätte er (im Tod noch) sein Lebensschicksal selbst in die Hand genommen. Denn aus eigener Kraft auferstehen werden wir nicht. Auch im Tod noch loslassen, auch den Tod nicht festhalten wollen - kann schon sein, dass das eine schwierige Übung ist. Die am besten schon lange vorher anfängt. Das Leben leben mit aller Kraft - und es zugleich loslassen lernen: Ostern, scheint mir, macht Lust darauf und neuen Mut.

Alles was sich zum Thema "Trauer" und sonst an Besinnlichem bei mir so angesammelt hat, finden Sie im
In meinen Archiven befinden sich auch Seiten, die sich mit dem Thema Tod befassen.
Hier haben Sie auch die Möglichkeit dahin zu kommen.
Sammlung von Texten aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die sich mit dem Sterben und dem Tod auseinandersetzen.
Betrachtungenüber den Tod
Wenn Sie an den weiteren entstehenden Seiten interessiert sind, müssen Sie eben immer wieder mal meine Homepage besuchen.
Suchen Sie Kontakt zu Menschen die ihrem Krankheitsbild entsprechen, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen ?? Dann besuchen Sie doch mein Gesundheits-ForumSie finden dort auch eine " Plauderecke für Senioren", sowie etwas für poetische oder witzige Menschen.
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