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"Wenn man eine gute Idee hat, gibt es nichts Entmutigenderes als ein Formular." Roman Herzog, früherer Bundespräsident
* Im Sinne des Erfinders *

Es ist die größte Innovation seit der Erfindung des Buchdrucks, das World Wide Web, www. Und es gibt den, der das Internet erfunden hat: den fünfzigjährigen Engländer, der in Amerika lebt, Tim Berners-Lee. Wer kennt ihn? Er wurde in die Reihe der 100 klügsten Köpfe des Jahrhunderts gestellt, hat aber mit seiner Entdeckung nie großes Geld gemacht.
"Ich habe Auszeichnungen bekommen und immens profitiert, weil ich erlebte, wie das Web durch die Arbeit Tausender Menschen groß geworden ist." Bescheidenheit, eine Tugend der wirklich großen Erfinder.
Und wie steht es bei uns mit der Begeisterung fürs technisch Neue? Sie ist überschaubar. Noch immer kokettieren kulturell hoch stehende Persönlichkeiten damit, technisch inkompetent zu sein. Man versteht nicht nur nicht, man w i l l auch nicht verstehen. Den Videorecorder nicht bedienen zu können, findet immer noch zu viel Beifall. Aber seit wann ist Ahnungslosigkeit ehrenvoll? Nicht das Vorwissen ist entscheidend, sondern die Neugier.
Wie viele Vorträge gibt es, deren Ouvertüre eine einzige Peinlichkeit im Umgang mit alltäglichen Gerätschaften ist. Da werden Mikrophone wie kultische Gegenstände behandelt, anstatt sie einfach einzustöpseln. Oder es wird über Veränderungen philosophiert, die das Faxgerät mit sich gebracht habe.
"Früher", meint der Wissenschaftler Ranganathan Yogeshwar, "wurde doch auch nicht über die Walze einer Schreibmaschine meditiert." Tatsächlich haben die Deutschen das Fax zwar entwickelt, aber nicht daran geglaubt. Die Japaner machten es Jahre später zum Massenartikel. Wie wird es mit dem Transrapid gehen?
Orientieren wir uns an Vorfahren wie Karl Friedrich Drais, der mit seinem Laufrad zwar die Grundlage des Fahrrades legte, aber völlig verarmt gestorben ist? Oder an Rudolf Diesel, der mit seiner Idee für einen effizienteren Motor jahrelang hausieren gehen musste? Der Weg von der fertigen technischen Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung am Markt ist lang. Zu lang. 50 Jahre brauchten Kugelschreiber und Roboter, 32 der Reißverschluss und 25 Jahre die Kreditkarte. Der Laser immerhin schaffte es schon nach 15 Jahren auf den Markt und ist heute weder aus der Medizin noch aus dem Maschinenbau wegzudenken.
Unser einziger Rohstoff sei das Wissen, lassen sich täglich Politiker vernehmen. Stimmt. Aber welche Folgen hat diese Erkenntnis? Etwa Erleichterung bei der Firmengründung? Bürokratieabbau? Da fielen selbst dem höchsten Beamten im Lande, dem Bundespräsidenten, nur harsche Worte ein. Sie blieben bisher weithin folgenlos.
"Unser Lebenselixier sind Innovationen", sagt Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Aber auch: "Wir müssen schneller werden, die Zukunft schneller sehen. Denn heute schon machen wir 75 Prozent unserer Umsätze mit Produkten, die nicht älter sind als fünf Jahre. In der Medizintechnik sind sogar 90 Prozent jünger als drei Jahre."
So atemlos musste Deutschlands erfolgreichster Erfinder, Artur Fischer (85), nicht entwickeln. Sein Blitzlichtgerät, der legendäre Dübel, die Fischertechnik und nicht weniger als 5.000 weitere Patente haben ihn berühmt und wohlhabend gemacht. Das brauchte ein Leben.
Im Sinne des Erfinders ist sein Satz: "Das kann man besser machen" - mit Grips, Geduld und Enttäuschungsresistenz. Aber Deutschland ist in vielen Bereichen zurückgefallen, Mittelmaß geworden, bei gleichzeitigen Spitzenansprüchen.
Das müssen wir drehen.
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