Kranker für Kranke * Serie Gute Gedanken *




Zum darüber NachdenkenZum darüber Nachdenken
Durchhalten



Wer hält schon noch durch ?
Respekt, Frau Merkel - Sie haben durchgehalten!
Schröder hat nach einem letzten Aufbäumen die Segel gestrichen, Müntefering ist beleidigt von der Fahne gegangen, und von Stoiber wollen wir gar nicht erst reden.

Echte Kerle sehen anders aus, aber es ist zum Glück schon lange keine Frage des Geschlechts mehr, sondern des Charakters:
auch in schwierigen Zeiten nicht gleich das Handtuch zu werfen.



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Durchhalten

Das verlangen wir ja zum Beispiel von den Jugendlichen: dass sie sich nicht auf den Traumausbildungsplatz als Kfz-Mechaniker fixieren, sondern Plan B akzeptieren, als Fliesenleger oder Heizungsinstallateur - und das auch dann durchhalten, wenn der Chef ein Kotzbrocken ist.

Dass sie nicht heute anfangen, Klavierstunden zu nehmen, nach drei Monaten doch lieber auf Schlagzeug umsteigen und kurz darauf zu Gitarre wechseln.

Dass sie ein Ding durchhalten und die Konsequenzen tragen.
Und das, obwohl sie mitkriegen, dass im Fußball beim ersten Misserfolg sofort der Trainer ausgetauscht wird.
Und Fernsehsendungen wie der durchaus ambitionierte "Talk der Woche" schon nach zehn Folgen wieder abgesetzt werden.
"Durchhalten!" - dafür haben die Jungen weiß Gott wenig Vorbilder.

Und schon gar nicht in der Politik.
In seinem neuen Buch "Die Stümper" listet der Politjournalist Thomas Wieczorek genüsslich auf, wie viele Politiker ohne abgeschlossene Ausbildung im Deutschen Bundestag sitzen.
Karin Göring-Eckhardt, immerhin Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, "studiert ohne Abschluss Theologie und heiratet, wenn es schon nicht mit der Pfarrerin klappt, wenigstens einen Pfarrer".
Oder Matthias Berninger, bis vor kurzem Staatssekretär, "studiert Chemie und Politik, wird aber weder Chemiker noch Politologe, hat keine Ausbildung zu Ende gebracht und keinen Beruf erlernt".

Aus der geballten Inkompetenz und Inkonsequenz der Politiker, so die Theorie des Autors, folge auch das Hin und Her in der Politik:
Trial and Error als Regierungsstil, Vor und Zurück als Regierungsmechanik.

Natürlich verlangen diese Zeiten auch Flexibilität:
Es wäre unsinnig, um jeden Preis durchzuhalten.
Keiner muss sich durch ein Studium quälen, das sich als falsch erweist, niemand muss bis ans Lebensende in einer komplett verkorksten Ehe ausharren.
Aber bedenklich finde ich schon, wie schnell wir den Weg des geringsten Widerstandes gehen.
Und es fängt ganz am Anfang an: Immer weniger Frauen sind bereit, die Tortur einer normalen Geburt auf sich zu nehmen.
Eine befreundete Hebamme beklagt, dass inzwischen eine Mehrzahl ihrer Kundinnen ohne medizinischen Grund einen Kaiserschnitt verlangen - einfach nur, weil sie sich den Schmerz der Geburt nicht zumuten wollen.
Die Hebamme ist weder esoterisch noch altmodisch, aber sie weiß nach 25 Jahren Berufserfahrung:
"Wer mit seinem Kind nicht gemeinsam durch die Hölle gegangen ist, dem fehlt was."
Oft sind es dieselben Mütter, die ihren Babys anschließend schon bei der allerersten Unmutsbekundung diese Tropfen und jene Globuli in die Backen stecken.
Kein Wunder, wenn die später schon beim Hauch von Kopfweh zur Tablette greifen.
Klientifizierung nennen das die Experten:
So schafft man sich von klein
auf Kundschaft für die Pharmaindustrie.

Auch beim Essen ist übrigens die Toleranzschwelle deutlich gesunken, sagen die Experten.
Und das nicht nur bei Kindern, die schon beim Anblick von grünen Kräutern "Iih, eklig" kreischen.

Nein, kein Mensch muß Schnecken, Froschschenkel und extrem streng schmeckende Innereien runterwürgen.
Aber auch ganz normales Essen bleibt bei Erwachsenen immer häufiger als angeblich ungenießbar auf dem Teller liegen, berichtet der Leiter eine Berufsschule für Köche.
Wenn er mit seiner Abschlussklasse in die französische Partnerstadt fährt und die dortigen Jungköche besucht, weigert sich ein Teil der Mannschaft, Fischterrine und Wildschweinbraten zu essen.
"Auch mal was runterschlucken, was nicht auf Anhieb schmeckt", sagt der Schulleiter, "das ist völlig aus der Mode gekommen."
Kein Wunder, dass sich jedes Jahr immer noch mehr Leute zum Marathonlauf anmelden.
Da mag im Leben verdammt viel auf der Strecke geblieben zu sein.
Aber dieses Gefühl ist offenbar schwer zu toppen:
Ich hatte ein Ziel, und dieses eine Mal
habe ich es echt - durchgehalten.

Frohe Weihnachten Das Christkind ist da
Verfasser/In leider unbekannt.
Ein Stammbesucher mailte mir die Texte zu.


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