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Kranker für Kranke * Geiz ist nicht geil *

* Mut oder Mütchen !

 
* Fußball * * Na bitte, geht doch! * Die Deutschen zeigen Optimismus Es gibt aber dennoch einiges, was politisch überdacht sein sollte.
Mir ist noch der Jubel in guter Erinnerung, mit dem die Fußball-Nation im Dezember 2005 auf die Auslosung der Weltmeisterschaftsspiele reagierte: Costa Rica, Polen und Ecuador. Alles schwache Gegner!
Ist das die neue deutsche Leitkultur: Erst mal die Kleinen verhauen, um anschließend mit seinen Erfolgen zu prahlen? Das nennt der Volksmund nicht Mut, sondern Mütchen. Wir leben in einem Land mit Mütchen-Kultur. Beim deutschen Fußball wurde die Mutzufuhr eingekauft. Die Mutmacher hießen Roy Makaay, Sergej Barbarez, Marcelinho.
Jahrzehntelang wurde in Deutschland alles gefördert: Sportstätten und das Heim auf der grünen Wiese, Steinkohle und Stadion-Duschen, Autobahnen für Raser und Autobahn-Schilder gegen das Rasen, das Einbetonieren von Flüssen und das Zerkleinern des Ufer-Betons.
Nur eines wurde niemals gefördert: der Mut!!
Geduldig stellt sich der Deutsche an jeder Ecke vor einen Schalter. Er drängelt sich nach Tickets für die Weltmeisterschaft. Er steht Schlange an der Supermarktkasse oder am Schalter der Zugauskunft. Er wartet am Abfertigungstresen des Billigfliegers und fragt auf dem Arbeitsamt nach seinem Hartz IV-Formular. An welchem Schalter, bitte, wird ein Antragsformular für eine Portion Mut verabreicht?
Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin.
Diese Adresse soll man sich merken. Die neuen Mieter dort wollten Mutmacher sein. Raus mit den alten Möbeln, rein mit neuen Ideen. Runter mit dem Speck der Vergangenheit, Muskel-Training für den Marathon-Lauf in eine "Zukunft schuldenfrei" und mit Arbeit für jeden. Der Kabinettsaal als Fitness-Studio für das ganze Nation. Schwer zu sagen, ob die Mannschaft noch nicht Mut gefasst oder ob der Mut sie schon wieder verlassen hat, denn Mut wird erst einmal von anderen gefordert.
Zum Beispiel von der jungen Akademikerin, die mangels Arbeitsplatz eine Ich-AG gründen und zudem drei Kinder kriegen soll. Die soll sie natürlich besser erziehen, als die staatliche Schule es kann. Aber als Selbstständige hat sie nicht mal Anrecht auf Schwangerschaftsurlaub oder Erziehungszeit. Und ihr Mann, der gerade einen Job in der Anwaltskanzlei gefunden hat, wird auch nicht gleich bei seinem Chef vorsprechen wollen, ob er ihn als jungen Vater für ein paar Monate von seinen Berufspflichten freistellen kann.
Zuweilen gewinnt der Bürger den Eindruck, als mache der Staat ihm nicht Mut, sondern kühle sein Mütchen. Nach dem neuen Anti-Diskriminierungsgesetz wird der Mietshaus-Besitzer mit Integrationsaufgaben belastet, vor denen der Staat schon kapituliert hat. Bewirbt sich eine Familie - gleich welcher Nationalität -, die des Deutschen nicht hinreichend mächtig, aber mit einer Schar unerzogener Kinder gesegnet ist, darf keiner sie ablehnen. Das heißt, Vermieter und Mitbewohner können jene Erziehungsaufgabe übernehmen, die vom staatlichen Erziehungswesen erfolglos abgebrochen wurde. So wird auch die Integration privatisiert. Dabei liegt die größte Diskriminierung nach wie vor in einem Bildungssystem, das Kinder aus sozial benachteiligten Schichten weder Lesen, Schreiben noch Rechnen beibringen kann.
Dieses staatliche Versagen wäre der erste Fall für das Antidiskriminierungsgesetz. Jede Woche ist in der Zeitung zu lesen, dass Nachbarn, Kirchengemeinden und Lehrer für das Aufenthaltsrecht von Familien kämpfen, die ein Musterbeispiel an Integration abgeben: die Kinder im Sportverein und kurz vor dem Abitur und Vater und Mutter angesehene Bürger in der Gemeinde. Nur weil einer vor einem Jahrzehnt eine falsche Herkunftsangabe gemacht hat, schickt der Staat alle weg, Egal, ob wir Fußballweltmeister werden oder nicht, Weltmeister sind wir schon -in Prinzipienreiterei. Da kühlt mein sein Bürokraten-Mütchen genau an den Falschen.
Mehr Mut als die neue Prozentrechnung bei der Mehrwertsteuer dürfte es kosten, dem Bürger reinen Wein einzuschenken, dass viele ausgetretene Wege nicht länger passierbar sind. In einer globalisierten Welt, in der wichtige Finanz- und Wirtschaftsentscheidungen von weltweit agierenden Firmen getroffen werden, verliert der Nationalstaat an Einfluss. Es gibt ihn zwar noch, aber er hat wenig zumelden.
Neue technologische Entwicklungen bringen zwar Wachstum, aber nicht unbedingt neue Arbeitsplätze, und auch eine berufliche Qualifikation ist kein Garant für einsicheres Einkommen mehr. Von drei Geringverdienern verfügen zwei über ein Ausbildungszertifikat oder einen Studienabschluss. Und so wird auch über die Zukunft unseres Rentensystems nicht die Zahl der Kinder entscheiden, sondern die Zahl der tatsächlich vorhandenen Arbeitsplätze.
Es gehört für die Politiker Mut dazu, dem Bürger solche Wahrheiten einzuschenken. Dem schwant schon, dass es nicht weitergeht wie bisher. Und er sehnt sich nach einem klaren Trainer-Wort aus dem Fitness-Studio der Politik.
Sagen wir es mit dem ehemaligen Staatsminister aus dem Kanzleramt von Sachsen-Weimar: "Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen, der Erde Weg, der Erde Glück zutragen, mit Stürmen mich herumzuschlagen und in des Schiffbruchs Knirschen nicht zu zagen." Der Mann hieß Johann Wolfgang von Goethe. Seine Mutmacherworte gehören an die Stirnwand eines jeden Saals, in dem Politiker tagen.
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Möge es der Autor Kranker für Kranke verzeihen, daß sein so zutreffender Beitrag aus einer Sonntags-Zeitung auch hier der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde. Andernfalls wird diese Seite sofort gelöscht!!
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